Jeder Marschall acht zu allen Zeiten, Daß er einen kurzen Hals besitz, Sein Kinn müßte sich zur Brust ausweiten, Daß der Nacken auf dem Rücken sitzt. Auf den kurzen Hälsen, die gedrungen, Sitzen Köpfe schön bequem und dicht. Niemandem ist es bisher gelungen, Sie zu würgen, auch mit Lasso nicht. Recken ihre Hälse hoch ins Blaue, Stellen sich zudem noch auf die Zehn. Um das Bild zu kriegen, das genaue, Muß man über andre Köpfe sehn. Strecke dich, und irgend so ein Schlimmer Nimmt dich dann von hinten vor den Lauf. Merke, gute Feldherrn treten immer Überall mit ganzer Sohle auf. So ein Halbgott muß stets scharf aufpassen, Tücke ist in Asien allgemein, Jeder will ihn an die Gurgel fassen, Hinten darf kein Mensch zu ihm herein.
Recken ihre Hälse hoch ins Blaue, Stellen sich zudem noch auf die Zehn. Um das Bild zu kriegen, das genaue, Muß man über andre Köpfe sehn. Schluß. Er selber wurde undurchsichtig, Selbst wenn er das Licht der Ferne sah. Sein Hals schwankte, er ist nicht mehr wichtig, Sofort ist für ihn ein Lasso da. Höhnisch zählen alle Lästermäuler Seine Wirbel, halten ihr Gericht. Mit so langen Hälsen wie die Gäule Sieht man weit, Vorausschau hat man nicht. Recken ihre Hälse hoch ins Blaue, Stellen sich zudem noch auf die Zehn. Um das Bild zu kriegen, das genaue, Muß man über andre Köpfe sehn. Wenn den Nerven lockerst du die Zügel, Gehn sie durch dir ohne Widerstand, Man stellt dir ein Bein, und du kriegst Prügel, Und in deinen Hals krallt sich ’ne Hand. Wäre schön, sich ducken, nichts riskieren, Könnte man verschwinden wie ’ne Laus, Immer klein, geduckt herummarschieren - Nur: es sieht halt nicht besonders aus.
Recken ihre Hälse hoch ins Blaue, Stellen sich zudem noch auf die Zehn. Um das Bild zu kriegen, das genaue, Muß man über andre Köpfe sehn. Aus dem Orient stammt diese Sage, So erzählt’s ein Weiser jedenfalls. Sehr brutale Märchen, ohne Frage, Dachte ich bei mir und rieb den Hals.
© Reinhold Andert. Übersetzung, 1989