Wir flogen auf, wie Enten Von sumpfigen Feldern. Zwanzig Starts in vierundzwanzig Stunden - Was macht mehr Freude! Wir lachten, verwechselten den Saunadunst mit dem Nebel, Und wir füllten die Weite, Bis es eng wurde. Die Wolken rissen ein, Flogen in Fetzen auseinander, Kugeln nähten aus ihnen die Kuppeln der Fallschirme. Wir kehrten heimlich zurück, Ohne Geräte, im Dunkeln, Und mit dem Funker-Schützen, Der in den Gurten hing. Im Rumpf ein Loch, in der Tragfläche Löcher, Und gleichsam im Schüttelfrost, Und das Steuer eingekeilt, Und es zitterte, und es schlug An den Händen einen Trommelwirbel, Wie bei einer gefährlichen Nummer im Zirkus. Bis jetzt kitzelt das noch die Nerven, Doch wir landeten mit Schlagseite. Uns schien es, als ob die Maschine nicht Für uns arbeiten will und kann. Morgen stoßen meine Maschine und ich ins gleiche Horn - Beim Reparaturdienst, Vor aller Augen. Setz du mir nicht zum Schluß noch das Messer an den Hals! Morgen wird es einen Start geben - es gibt Nahrung für uns, Wir beide müssen Landen, Freundchen, Auf dem Flugplatz, Weil ich nicht wage, dich aufzugeben! Wirklich, ich bin nicht von Pappe Und ich spüre genau In meinem einflügeligen, doppelgesichtigen Partner Einen Spieler, der bis jetzt seine Absichten verbirgt. Ich wollte spucken Auf die lästigen Vorzeichen! Er hat seine Grenze - Ich habe keine! Wir werden sehen, wer von uns Vortrag, wer weinen wird! Falls wir diesen Flug überleben, Wird man uns beide nicht bei der Reserve einschreiben. Wer hat denn gesagt, daß die Maschine nicht Für uns arbeiten kann und will?! Ich bin noch nicht im Rausch, habe mich noch nicht in die Rolle eingefunden. Wie erkennt man im Hangar, wer der Sklave ist, und wer der König, wer stärker ist, wer schwächer, wer schlecht ist, wer gut, wer heizt wem ein, wer stellt wen auf die Probe, wer gibt wem Druck: das Flugzeug dem Flieger oder umgekehrt? Auf der Erde verstellt sich die Maschine scheinheilig. Morgen werde ich das Schicksal versuchen, doch bis dahin streichle ich der Maschine die steilen Flanken. Auf der Erde sind wir ebenbürtig, aber sind wir ebenbürtig auf dem Flug? Unter meiner Hand - ich verberge es nicht - spüre ich Kühle mir gegenüber, Ich mache mir keine Illusionen - ich bin ein alter Reiter: das Flugzeug ist ein unberittener leibhaftiger Teufel! Ich weiß, der Morgen wird mir die Kräfte verdreifachen, nun, aber mein Roß ist auch jetzt schon gut! Da überlegt es: lohnt es sich oder lohnt es sich nicht, unter Zwang für uns zu arbeiten?.. Du bist mir von Zeichnungen her, wie von Kindheit an, bekannt. Du kanntest keine Kurven - du gingst und gingst immer geradeaus, Du fuhrst unter dem Sternpelvermerk „geheim“ über die Wellen der Wissenschaft. Der Haupt-Konstrukteur war zu lasch mit dir, und du hast dich von den Händen losgerissen im Konstruktionsbüro und in der Abteilung für technische Kontrolle, doch heute bist du einem Testpiloten in die Hände geraten! Hier wird man dich schon in die Mangel nehmen, jetzt mußt du Rechenschaft geben - und am besten ohne überflüssige Verluste; in unserem Geschäft hat man Verluste nicht sehr gern. Du hast genug herumgelungert bis zum Geht-nicht-mehr, ich bin genug Schleifen geflogen auf solchen wie du, so daß es eine Sünde wäre für uns beide, einen Rückzieher zu machen. Manchmal nagt das Mißtrauen: und wenn die Maschine auf einmal mir nicht alles gibt? wenn sie auf einmal bockt, wenn sie nicht unter Zwang für uns arbeiten will?..
© J. M. Opfermann. Übersetzung, 1988