Was macht’s, wenn’s mit der Ehe nicht geklappt hat, Was macht’s, wenn dir der Schmerz den Kopf zerfrißt, Was macht’s, wenn man dein Geld dir weggeschnappt hat: Sag danke, daß du noch am Leben bist. Was ist dabei, wenn dir der Krebs schlimm zusetzt, Was ist dabei, wenn du mehr säufst als frißt, Was ist dabei, wenn man dich an die Luft setzt: Sag danke, daß du noch am Leben bist.         Pfeif auf des Pokerpartners letzte Töne, Und pfeif drauf, daß du nachts Gespenster siehst, Pfeif auf vom Nachbarn ausgeschlagne Zähne: Sag danke, daß du noch am Leben bist. Ist doch egal: bist du im Dreck gestrandet, Ist doch egal, wer ins Gesicht dir tritt, Ist doch egal: bist im Hospiz gelandet. Sag danke, daß du noch am Leben bist.         Wen kümmert’s, spieltest du auch nie die Geige, Wen kümmert’s, ob man dürr und bläßlich ist, Wen kümmert’s, hält man fälschlich dich für feige: Sag danke, daß du noch am Leben bist. Das Schicksal ist doch schließlich keine Mutter, Der man befiehlt: Hilf mir, verdammt noch mal! Denn eigentlich ist alles ganz in Butter, Ist alles - wie man sagt - ja »ganz normal«. Ja, es ist wahr wohl: Der, der will, der kann auch. Ja, es ist wahr, daß man selbst schuldig ist. Ja, es ist wahr. Nur fragt man sich wohl dann auch: Wem dankst du, daß du noch am Leben bist?
© Rolf Bräuer. Übersetzung, 1989