Als ich lebte, war ich groß und grade, Ohne Angst vor viel Worten und Waffen, Und ich paßte mich nicht in den Drill. Doch jetzt, mundtot gemacht ohne Gnade, Hat man lahm mich und krumm umgeschaffen, In mein Denkmal gemeißelt: »Achill«. Ich schaff s nicht, den Granit abzuwerfen, Die Achillessche Ferse zu heben Aus des Denkmals Betonpostament; Denn die eisernen Rippen, die Nerven Sind von lähmender Bronze umgeben, Nur das Rückgrat zuckt noch im Zement. Ich war stolz auf die Schultern, die schrägen: »Meßt zur Probe!« Dann begann man sie rasch wegzusägen Nach dem Tode. Und so paßte ich denn in den Rahmen Der Normalität. Meine Schultern, die breiten, bekamen Normqualität. Als ich plötzlich verstarb, sieh, da nahmen Die Verwandten im trauten Vereine Einen Gipsabdruck rasch von mir ab; Doch ich weiß nicht, wie sie darauf kamen: Von der Gipsmaske schliffen sie meine Asiatischen Jochbeine ab. So was könnt ich nicht ahnen, nicht planen, Glaubte nie, daß mir so was passierte Und ich toter einst wäre als tot. Doch die Maske ließ Schlimmes erahnen, Als ein zahnloses Lächeln mich zierte, Triste Friedhofs- und Grabstimmung bot. Als ich lebte, hab ich nie vergessen, Wer uns plagte; Mit gewöhnlicher Elle mich messen, Niemand wagte. Doch kaum daß mich die Maske dann prägte, Auf die Schnelle Kam der Sargtischler schon, und er legte An die Elle. Ein Jahr später, nach meiner Verschönung, Da enthüllte man mit Lustgepränge Mein stabiles Metallmonument. Und man spielte dabei als die Krönung Vor versammelter riesiger Menge Meine Lieder vom Band als Präsent. Uber mir gleich die Stille zerplatzte, Aus den Lautsprechern quolln Melodien, Grelles Licht hielt mich scharf anvisiert, Meine Stimpie, die heiser-zerkratzte, Ward dank neuester Technologien Angenehm ins Falsett transponiert. Ich selbst schwieg in der Grablakenhülle, Wie verloren, Und doch schrie mein Kastratengebrülle In die Ohren. Ich stand angepaßt und ausgewogen Nach der Mode. Sagt: Wozu braucht ihr mich umerzogen Nach dem Tode? Ich beschloß, den Komtur aufzuwecken Und zu tun, was einst jener dort machte: Zu entsteigen - wie er - meinem Grab. Und die Meute, entsetzt, floh voll Schrecken, Als mein Fuß aus dem Steingewand krachte, Der Beton barst und stürzte hinab. Und ich beugte mich vor, nackt und häßlich, Fiel vornüber, verlor meine Häute, Von dem Eisenskelett jäh entbeint. Dann schlug ich auf die Erde - da krächzt ich Aus den berstenden Lautsprechern: »Leute! Ja, jetzt lebe ich wieder, wie’s scheint!« Und ich wurde erneut krumm und kantig Von meinem Fall, Und die Jochbeine ragen jetzt grantig Aus dem Metall. Bin nicht abgekratzt, still und beflissen, Wie man’s gern litt: Hab mich vor aller Welt losgerissen Aus dem Granit.
© Rolf Bräuer. Übersetzung, 1989