Geschmack und Ansprüche sind schwer zu messen, Exotisch, wie ich bin und was ich such. Im gleichen Atem kann ich Gläser fressen Und Schiller lesen ohne Wörterbuch. In mir sind wohl zwei Ichs, zwei Erdenpole, Zwei, die sich feindlich gegenüberstehn. Will dieser, daß ich Opernkarten hole, Will jener auf die Pferderennbahn gehn. Nichts Unerlaubtes, das ich dabei tue, Leb ich allein, als einzelne Person. Doch dann befreit sich, raubt mir meine Ruhe, Das zweite Ich, ein Schuft und ein Spion. Aus Angst wird dieser Schuft in mir gemieden, Mein Schicksal: ohne Ruhe, ohne Rast, Doch weiß ich nicht, ob richtig ich entschieden, Ob ich das falsche Ich in mir gehaßt. Wenn ich die Seele wickle aus den Lumpen Und lasse die Wahrhaftigkeit heraus, Dann kann ich jede Kellnerin anpumpen, Und Frauen krieg ich für umsonst nach Haus. Dann sind die Ideale wieder Asche, Da werd ich grob, verbissen, altmodisch. Ich sitze stumpf und kaue an der Flasche Und haue diesen Schiller untern Tisch. Verhandlung. Alles stiert auf meinen Rücken, Sie, Bürger Richter, Sie, Herr Staatsanwalt, Nicht ich wollt dieses Schaufenster eindrücken, Mein zweites Ich, der Schuft, hielt mich umkrallt. Ich bitte Sie, den Vorfall zu vergessen, Gewähren Sie mir Zeit, doch nicht im Kahn. Ich werde nur noch zuschaun bei Prozessen, Seh Strafanstalten nur von außen an.         In Zukunft schlag ich nie mehr andre Scheiben, Nie mehr Gesichter andrer Bürger ein. Hoff, daß ich beide - bitte mitzuschreiben - Geteilten Seelenhälften bald verein. Ausrotten werde ich es und begraben, Das Nest in mir, versteckt, entleere ich. Fremd ist es mir, ich will es nicht mehr haben, Nein, nein, es ist nicht meins, das zweite Ich.
© Reinhold Andert. Übersetzung, 1989