Den ganzen Abend Sturm, doch jetzt Sind Flicken auf geplatzten Nähten, Von Wellen obendrauf gesetzt. Ich sitz am Ufer, abgehetzt. Die Wellen brechen sich die Gräten. Und ich bedauere zuletzt Von ferne jede, die verletzt. Ich hör, wie jede ächzt und klagt Vor Wut, daß sie nicht durchgestochen. Denn wer solch einen Anlauf wagt Und seinem Feind den Tod ansagt, Dann kurz vorm Ziel - den Hals gebrochen... Von fern bedauere ich jetzt Sie alle, die sich so verletzt. Die Schicksalsmähnen, kreideweiß, Die vor dem Tod so schön aussehen, Das Kampfgedonner macht sie heiß, Die Kräfte sammeln, rein den Steiß, Den Hals gereckt und - untergehen. Von fern bedauere ich jetzt Sie alle, die sich so verletzt. Der Wind schlägt auf die Wellen ein, Sie schäumen beim Zusammenprallen. Vergeblich wird ihr Meutern sein, Denn irgendeiner stellt ein Bein. Das Pferd mit Schaum vorm Maul wird fallen. Von fern und keineswegs entsetzt: Bedauern, weil es sich verletzt. Nicht lange, dann bist du auch dran, So höre ich es in mir sprechen. Man stößt mich feig von hinten an, Treibt mich zu einem Abgrund dann, Um Hals und Rückgrat mir zu brechen. Von fern werd ich ein wenig jetzt Bedauert, weil ich mich verletzt. Jahrhundertlang sieht man wohl schon An Ufern viele sitzen, wittern. Sie warten auf die Sensation, Wie jemand knallt auf den Beton, Um sich die Knochen zu zersplittern. Und was bleibt ihm zu guter Letzt? Bedauern, weil er sich verletzt. Doch in der tiefen Dunkelheit, Des Meeres stiller Einsamkeit, Geheimnisvolles Zittern, Kreißen. Dann aber hat sie sich befreit, Die Riesenwelle, meeresbreit, Wird sich mit Macht ans Ufer schmeißen. Und jeder, der blöd zugeguckt, Wird gnadenlos von ihr verschluckt.
© Reinhold Andert. Übersetzung, 1989